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Buchvorstellung
Selbstverantwortung fördern,
Individuelles Lernen begleiten

von Reichel, Rene / Svoboda, Ursula
(2008)
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Die Modellschule Graz
Ein gestaltpädagogisch orientiertes Gymnasium

von Brie Presker
Gestaltpädagogik - Wachsen und Lernen
Persönlichkeitsentwicklung der Kindergartenpädagogin

von Ursula Svoboda
Impulse - Handbuch für Jugendarbeit Band 2,
Medienpädagogik

Anfang und Ende
Die ungel(i)ebten Seiten des Unterrichts
von Ursula Svoboda
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Klettern mit essgestörten Frauen unter gestaltpädagogischem Ansatz
Praxisbericht von Uli Wermuth
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Ressourcen und lösungsorientiertes Handeln in der Schule
Praxisbericht von Martina Stollhof
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letztes update 23/10/08

 

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Impulse - Handbuch für Jugendarbeit Band 2,
Medienpädagogik

Aktuelle Veröffentlichung unter Mitwirkung von Christine Tschötschel-Gänger

Herausgeber Salzburger Landesjugendbeirat und Akzente Salzburg Akzente Verlag, Dezember 2004, ISBN 3­902294-03-5

Zielgruppe:
PädagogInnen für 10-18 Jährige in Jugendarbeit und Schule

Verkaufspreis im Buchhandel:
Euro 18,90 Preis ab Akzent Verlag: Euro 14,90

Bestellung:
Akzente Salzburg, Glockengasse 4c 5020 Salzburg Tel: 0662/84 92 91-29 m.oberrauch@akzente.net

Aus dem Vorwort und der Presseaussendung anlässlich der Buchpräsentation:
„Mit dem Anspruch, Kinder und Jugendliche dem Machtfaktor "Medien" gegenüber nicht schutzlos ausgeliefert zu wissen, haben PädagogInnen lange Jahre versucht, eine Gegenmacht der Aufklärung und Bildung zu errichten.

Viele medienpädagogische Konzepte greifen vielleicht gerade deshalb wenig, weil sie - was bei jüngeren Kindern noch sinnvoll und Halt gebend sein kann - Jugendliche zu sehr in die Zange nehmen. Zwischen einem unreflektierten Lustprinzip, das durch Mediengebrauch zweifellos erfüllbar ist, und der pädagogisch vermittelten "Moral", dem schlechten Gewissen, schon wieder vorm Fernseher - am Computer - am Handy - etc zu hängen... So entsteht ein innerer Konflikt zwischen Lust und Hemmung, welcher vielfach zu innerem oder äußerem Trotz führt, auf dem zu beharren, was bis dato als angenehm bekannt ist.

Wir haben in unserer medienpädagogischen Praxis - und damit sind wir selbstverständlich nicht alleine - jenen Weg versucht, der sich mit dem Paradox der Veränderung charakterisieren läßt:

Lassen wir uns auf das Experiment ein, Kinder und Jugendliche nicht ändern zu wollen.

Sondern sie mit großer Akzeptanz zu ermutigen, wahrzunehmen und zu beschreiben, was passiert. Leben wir ihnen vor, den Phänomenen interessiert und neugierig vergleichend auf den Grund zu gehen: wie fühlt sich dieses und jenes an ? Was macht Spaß, was ist gut aufregend? Was ist unangenehm aufregend? Was macht neugierig, was ist entspannend, aufbauend, was drückt mich runter, was wird mit der Zeit öde? Und sich darüber mit andern auszutauschen und zu dokumentieren. Laden wir ein, Handlungsimpulse ernst zu nehmen, Alternativen auszuprobieren und damit Erfahrungen zu machen:

Dadurch kann sich das Bewusstsein Lernender über körperlich - emotional - kognitive und soziale Auswirkungen ihres Mediengebrauchs erweitern und differenzieren und damit das "innere Hausrecht", die Entscheidungskompetenz, entwickeln: Was tut mir gut ?

Es setzt Vertrauen voraus, dass (Medien)pädagogInnen ihre Macht über "Wahrheit" und medienpädagogische Ziele dem Dialog übergeben können: dem inneren Dialog des einzelnen jungen Menschen, dem herrschaftsfreien, intersubjektiven Dialog der Jugendlichen/Kinder untereinander und mit uns. Hier sind wir eingeladen, eigene Empfindungen und Erfahrungen und Werte einzubringen - vorausgesetzt, wir drücken sie den Jugendlichen nicht aufs Aug´, sondern lassen sie als eine Möglichkeit unter den vielen andern in der Lerngruppe "einladend" sein.

In diesem Sinne laden wir auch Sie ein, in diesem Handbuch Anregungen zu finden, die einen solchen Dialog ermöglichen. Und wir sind neugierig auf Ihre Erfahrungen und den Austausch mit Ihnen.

Das interdisziplinäre Redaktionsteam: Christine Tschötschel-Gänger, Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin, Pflichtschul- und Beratungslehrerin, Shera Kowald, AHS-Lehrer und Medienerzieher am Christian Doppler Gymnasium, Martin Seibt, Pädagogischer Leiter der Aktion Film, Medienpädagoge, Medienproduzent und Kommunikationstrainer, Ingo Bieringer, der pädagogische Leiter des Friedensbüros

Unterschiedliche Textsorten, vom Interview mit ‚Medienpersonen’ wie Sepp Forcher bis zu konkreten praktischen Ideen für die Arbeit mit Jugendlichen zeigen das Spektrum der aktuellen medienpädagogischen Arbeit. Einen größeren Teil des Handbuchs stellt auch die praktische Medienarbeit dar, Erfahrungen werden niedergeschrieben, Tipps gegeben, Salzburger Institutionen schildern Projekte

„Das Buch ist ein Nachschlagwerk und ein Leitfaden für alle jene, die in Jugendarbeit und Schule das Thema Medien kritisch und ohne ‚pädagogischen Zeigefinger’ aufgreifen wollen“, so Thomas Schuster, Mitglied des Landesjugendbeirats und Mitherausgeber des Handbuchs. Die AutorInnen widmen sich Themen wie Computernutzung, Gewalt in Medien, Musikvideos, Mobiltelefon/SMS, Medien und Essstörungen, ... und geben praktische Anregungen zur Auseinandersetzung mit Drehbuch, Fotoroman, Film/Video, Radio und vielem mehr.“


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Die Modellschule Graz
Ein gestaltpädagogisch orientiertes Gymnasium

von Brie Presker

Die Modellschule ist ein Privatgymnasium mit Öffentlichkeitsrecht, das im Jahr 1983 von einer Gruppe innovations- und experimentierfreudiger Eltern und Lehrerinnen/Lehrern gegründet worden ist. Von Anfang an war es das Ziel, Arbeits- und Organisationsformen zu entwickeln, die für alle Beteiligten „persönlich bedeutsames Lernen“ ermöglichen sollten.

Als Antwort auf verschiedene pädagogische Probleme haben wir als Gründer und Betreiber der Modellschule Initiativen entwickelt, von denen die bewährtesten hier skizziert werden sollen.
Die demokratische Organisation:
Mitglieder des Trägervereins sind nicht nur Mütter/Väter, Lehrerinnen/Lehrer, Erzieherinnen/Erzieher sowie das nichtpädagogische Personal, sondern auch alle Schülerinnen/Schüler.
Das drittelparitätisch aus Lehrerinnen/Lehrern, Eltern und Schülerinnen/Schülern zusammengesetzte Kuratorium tagt alle vier Wochen und entscheidet über alle wichtigen Belange der Schule und des Vereins.
Die Lehrerinnen/Lehrergruppe trifft sich wöchentlich in der Lehrersitzung und erörtert dort pädagogische und organisatorische Fragen. Mütter und Väter kommen einmal im Monat zu Klassenabenden zusammen, die Elternvertreterinnen/-vertreter tagen monatlich einmal im Elternforum.
Die Schülerinnen/Schüler besprechen die ihre Klassen betreffenden Themen im „Palaver“, klassenübergreifende Interesse werden im Schülerrat diskutiert.
Die demokratische Organisation der Modellschule erfordert freilich ein erhebliches Maß an Arbeit und Engagement. Sie wird indes von allen Beteiligten als außerordentlich wertvoll erlebt.

Die Ganztagsschule:

Die Schülerinnen und Schüler der Unterstufe bekommen einen Mittagstisch und werden am Nachmittag bis 17 Uhr kompetent betreut, lediglich der Mittwochnachmittag und der Samstag sind frei.
Diese Nachmittagsbetreuung ist allerdings nicht bloß als beaufsichtigte Zeit konzipiert. Vielmehr erstreckt sich der Unterricht in den einzelnen Fächern in den Nachmittag, wobei besonders Übungsphasen und zusätzliche Stofferläuterungen in dieser Zeit Platz finden. Dass hier auch die Hausübungen erledigt werden, bedeutet für die Eltern eine große Entlastung.

Der Modellschulunterricht:
Die Überschaubarkeit unserer Schule (acht Klassen zu höchsten 22 Schülerinnen/Schülern) ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass pädagogisches Neuland betreten und erforscht werden kann. Aber auch bewährte Unterrichts- und Erziehungsmodelle, die teils seit der Gründung der Modellschule bei uns entwickelt teils von anderen übernommen worden sind, haben ihren festen Platz in unserer pädagogischen Theorie und Praxis gefunden.
Hinzu kommt eine weitere Voraussetzung für die Fruchtbarkeit unserer pädagogischen Arbeit: Alle an der Modellschule Wirkenden und Lernenden erfahren beständig, dass die Wertschätzung des einzelnen eine unverzichtbare Basis für nachhaltiges Lehren und Lernen ist, das zudem Herz, Hirn und Hand zu engagieren hat. Solches wird möglich, wenn Lehrerinnen/Lehrer Fortbildungen absolvieren, in denen das bewusste Einbeziehen der eigene Gefühls- und Vorstellungswelt und der der Kommunikationspartner persönlichkeitsbildend vermittelt wird wie zum Beispiel in der Gestaltpädagogik.
Der Kanon der pädagogischen Formen ist breit gefächert: kognitives Lernen auf gesicherter methodischer Grundlage, fächerübergeifendes Arbeiten, projektbezogenes Erfahrungslernen, Lernen auf Reisen, Lernwerkstätten. An dieser Stelle sei auch verdeutlicht, dass die oben beschriebene Organisationsform der Modellschule die Schülerinnen/Schüler in ihren sozialen und emotionalen Fähigkeiten in besonderer Weise fördert.
In diesem pädagogischen Kontext ist auch der Schwerpunkt der Modellschule als Realgymnasium mit besonderer Berücksichtigung der Bildnerischen Erziehung zu betrachten. Wahrnehmungsschulung, Entfaltung der gestalterischen Ausdrucksfähigkeiten, Auseinandersetzung mit Kunst und visuellen Bereichen der Umweltgestaltung fließen als fächerübergreifende Prinzipien in unsere Unterrichtsarbeit ein.

Die Lernzielorientierte Leistungsbeurteilung (LOB):

Auch auf dem Gebiet der Schülerklassifikation hat die Modellschule durch eine Abkehr von der gewohnten Notenorientierung Neuland betreten. Durch die LOB wird der Weg zu den Lerninhalten wieder wichtig. Die Schülerinnen/Schüler konzentrieren sich vor dem Hintergrund einer LOB verstärkt auf die Bewältigung von Lernaufgaben und übernehmen so vermehrte Verantwortung für ihren eigenen Lernerfolg. Indem sie an konkret definierten Lernzielen ihre Fortschritte überprüfen können, erhalten sie differenziertere Rückmeldungen als durch Noten. Das bedeutet auch einen deutlicheren Anstoß, nicht Erreichtes gezielt nachzuholen. Eltern bietet die LOB große Transparenz über Leistungsstand und Leistungsbereitschaft ihrer Kinder.

Die Modellschule wird von allen dort Wirkenden als lernende Organisation begriffen. Lange vor dem Start verschiedener Schulentwicklungsprozesse in unserem Lande war die Modellschule bereits eine Stätte praktizierter Schulentwicklung und konnte ein prägnantes Schulprofil vorweisen.
Zwar hat die Grazer Modellschule noch immer ein wenig das Flair einer exotischen Versuchsschule. Dennoch hat sie sich in der österreichischen Schullandschaft klar positionieren und in diversen Rankings Spitzenplätze erobern können.


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Gestaltpädagogik - Wachsen und Lernen
Persönlichkeitsentwicklung der Kindergartenpädagogin

von Dr. Ursula Svoboda

Kennen Sie die Situation?

Alexander und Julian streiten. Kann man nichts machen - Kinder streiten eben! Nach außen bleibe ich ruhig, versuche mit den Kindern das Problem zu lösen. Aber wenn ich ehrlich bin, muss ich mir eingestehen: Ich habe innerlich Partei ergriffen. Mich ärgert Alexander auch. Ich kann nicht genau sagen, was es ist. Ich bin überhaupt durch ihn leichter gereizt als durch andere Kinder. Manchmal ist es sogar dasselbe Wort, derselbe Streich und ich werde sauer ....eben nur bei Alexander, nicht so schnell bei den anderen. (Erika)

Elterngespräch an der Tür. Die Mutter sagt: „Lena hat schon wieder Husten!“ Ich fühle mich angegriffen und beginne mich zu verteidigen. (Ich habe immer darauf geachtet, dass die Kinder gut angezogen sind, als wir draußen waren.) Das Gespräch entwickelt sich unbefriedigend. Abends geht es mir noch immer durch den Kopf. Aber vielleicht wollte mir Lenas Mutter gar keinen Vorwurf machen? Vielleicht hatte sie ein schlechtes Gewissen, dass sie Lena trotz Erkältung in den Kindergarten bringt? Oder sie wollte mir ihre Sorge mitteilen, weil die zarte Lena seit Wochen eine Erkältung nach der anderen hat? (Michi)

Teamsitzung – das Sommerfest soll geplant werden. Aber die Stimmung ist angespannt, verkrampft. Gerade, als ich etwas ansprechen will - gestern war da so eine kurze giftige Situation zwischen einer Kollegin und ihrer Helferin -, da fragt die – genau die – Kollegin, ob sie heute früher gehen könnte, sie muss noch was Dringendes erledigen. (Simone)

Der Kindergartenalltag sieht meist ganz anders aus, als die vielen Bücher erzählen. Da gestaltet man eine (gut vorbereitete) Umgebung, überlegt sich viele Anregungen und Spiele, schreibt Wochenpläne und Konzepte. Und dennoch: Die vielen kleinen Probleme zwischendurch mit Eltern, Kolleginnen und Kindern zehren an der Substanz. Der Arbeitsalltag ist neben aller Freuden und Erfolge auch mühsam und immer wieder gibt es unlösbare Probleme, schwelende Konflikte, kleine und große Schwierigkeiten.
Was mache ICH nicht richtig, fragen sich viele Kindergärtnerinnen und stellen damit sich selbst in Frage.
Genau an diesem Punkt setzt ein pädagogisches Konzept an und verspricht gangbare Wege.
Gestaltpädagogik – was ist das?

Gestaltpädagogische Fortbildung: Vom Sollen zum Sein!

Alltagsgeschichten sind immer wieder auch Thema einer gestaltpädagogischen Fortbildung. Denn in der Gestaltpädagogik steht zunächst die Pädagogin im Blickpunkt, erst später das Kind.
Die Erzieherinnen erforschen ihre Motivationen und unbewussten Steuerungen indem sie sich mit ganz individuellen Fragen beschäftigen:
Wie war meine eigene Erziehung? Welche Menschen haben mich gefördert und gefordert? Wie haben sie das getan? Wie wären diese an ihre momentanen Probleme herangegangen?
Was sind meine inneren Verbote und Gebote, meine Ansprüche und wie steuern sie mich im Alltag?
Persönliche Stärken und Schwächen sowie biographische Muster werden reflektiert und es wird überprüft, wie diese Muster den eigenen pädagogischen Stil beeinflussen.

Das ist für die meisten Kindergartenpädagoginnen eine neue Erfahrung, da sie aus der Ausbildung gewohnt sind, eher darüber nachzudenken, wie sie pädagogisch sinnvoll handeln und sich verhalten sollten - wie sie sein sollten , aber nicht wie sie sind und sich dabei fühlen!

Durch diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Gewordensein und den Gefühlen kommt ein Prozess in Gang, der einen wohlwollenden und gleichzeitig kritischen Kontakt zu sich selbst und zu den anderen herstellt. Sich selbst mit seinen Erfahrungen, Erlebnissen und „Erleidnissen“ (Viktor Frankl) zu kennen verändert die Sichtweise und in der Folge die Verhaltensweise zu anderen Menschen – man selbst wird aufmerksamer, der Umgang miteinander wird achtsamer. PädagogInnen, die ihre eigenen Gefühle wahrnehmen und annehmen, können auch die Befindlichkeiten der Kinder respektieren und mit ihnen angemessen umgehen.

Kontakt – Was bedeutet das?

Die Gestaltpädagogik sieht die menschliche Entwicklung als Kontaktprozess.

- Kontakt zu sich selbst:

Wenn ich mich selber verstehe und kenne, kann ich bewusster mein Verhalten steuern. Vor allem aber kommt durch das Erforschen der eigenen Geschichte eine paradoxe Reaktion in Gang: Ich verstehe meine Geschichte, meine Eigenarten und beginne mich zu mögen. Und wenn ich vorher oft darüber gedacht habe: das und das sollte ich ändern, beginne ich jetzt zu akzeptieren, dass ich bin so wie ich bin.

- Kontakt zu den anderen:

Die Fähigkeit, mit sich selbst in Kontakt zu sein ist die Voraussetzung zur Kontaktfähigkeit mit anderen.
Ich lasse sie sein, so wie sie sind. Ich muss nicht immer daran denken, wie sie sein sollten und wohin ich sie erziehen soll (schulfähig, sozial, ,,,) Ich vertraue auf die selbstorganisierenden und selbststeuernden Kräfte im Kind.
Im Kontakt mit ihnen kann ich mich öffnen und einbringen und mich auch abgrenzen . Ich bin in Kontakt mit der Situation und reagiere flexibel auf das was kommt.

- Kontakt zum Thema:

In der Folge werden für die pädagogische Arbeit im Kindergarten nicht irgendwelche Themen interessant, sondern Themen, die eine persönliche Bedeutsamkeit haben, zu denen die Kinder leicht (persönlichen) Kontakt herstellen können. Auch die neue Hirnforschung belegt diese eher philosophische Grundhaltung. Sie sagt, dass emotional wichtige Themen die Aufmerksamkeit verstärken und die Gedächtnisleistung intensivieren.


Aber wie mache ich das?

Gestaltpädagogik ist keine Methode und konzentriert sich nicht auf die Erweiterung eines Methodenrepertoires oder die Übernahme bestimmter Planungsschritte wie andere pädagogische Konzepte.
Das erscheint auf den ersten Blick als Mangel, auf den zweiten Blick als Chance. Ich kann mich an keinem äußeren Methodengerüst anhalten. Ich bin in Krisensituationen auf mich zurückgeworfen. Gestaltpädagogisch arbeitende Pädagoginnen gehen davon aus, dass sie die richtige Methode finden werden, wenn sie „bei sich“ und zugleich „ganz in der Situation“ sind. Und dann geschieht häufig etwas Paradoxes: Die Persönlichkeit ist das was wirkt, nicht die Methode.
So fehlt dieser pädagogischen Richtung fast jedes Ungewöhnliche oder Spektakuläre.
Mehr als alles andere geht es der Gestaltpädagogik um die Entwicklung einer pädagogischen Haltung.
Diese Haltung kann man dadurch erkennen, dass der Kindergarten mehr und mehr „Möglichkeitsraum“ für Kinder wird, in dem sie „eingeladen“ werden, Inhalte und Aspekte aufzugreifen, sich auf neue Entwicklungsschritte einzulassen. Dadurch wird die Planung offen, situationsorientiert, individuell. Lernen wird als „Wachstumsprozess“ verstanden. Ziele, Wege und Zeitstrukturen werden individuell gesehen und Kinder mehr „gelassen“ als „erzogen“. Die Atmosphäre in der Gruppe ist “bestärkend“.
Diese Haltung kann man auch an einem Realismus im Blick auf das Machbare erkennen, ohne das Visionäre aus dem Auge zu verlieren. Die Ansprüche an sich selbst und die anderen werden überprüft.

Zurück zu den Ausgangsbeispielen:


Erika entdeckt in ihrer gestaltpädagogischen Fortbildung , dass Alexander sie an ihren eigenen Bruder erinnert, der immer alles durfte, während sie die vernünftige große Schwester sein musste. Diese Erkenntnis macht es ihr nun leichter, Konflikte mit Alexander zu lösen.

Bei Michi werden seit der gestaltpädagogischen Fortbildung Elterngespräche entspannter. Sie hat sich im Laufe der Selbsterfahrung mit ihren eigenen Ansprüchen auseinandergesetzt.

Simone lernt in den gestaltpädagogischen Seminaren Konflikte im Team direkter anzusprechen und verliert ihre Angst vor Missstimmungen.

Resumee:

Persönliche Entwicklung fördert die berufliche Kompetenz. Sie macht Kindergarten-pädagoginnen damit zufriedener und auch pädagogisch wirksamer.

Literatur zum Thema:
René Reichel, Eva Scala: Das ist Gestaltpädagogik. Ein Lehrbuch für die Praxis. Ökotopia 1996
Jörg Bürmann / Jürgen Heinel (Hrsg.) : Früchte der Gestaltpädagogik. Ermutigte Lehrer – motivierte Schüler: 20 Beispiele. Klinkhardt 2000

Gestaltpädagogik kurz und bündig

Gestaltpädagogik ist ein umfassendes Konzept ganzheitlicher Pädagogik. Sie verbindet die persönlichkeitsfördernden Ansätze und Methoden verschiedener Richtungen der Humanistischen Pädagogik und Psychologie (Gestalttherapie, Psychodrama, TZI = Themenzentrierte Interaktion, personenzentriertes Lernen, Gruppendynamik und systemische Konzepte) mit europäischen Traditionen der Reformpädagogik.

Ziele der Gestaltpädagogik:


1. in Bezug auf die PädagogInnen:
- Steigerung von Selbstwahrnehmung in der Berufsrolle, in Bezug auf die eigene Persönlichkeitsstruktur und die Erziehungs- bzw. Lerngeschichte.
- Fähigkeit zur erweiterten und differenzierteren Wahrnehmung der anvertrauten Kinder
- Fähigkeit zum Anbieten von Freiräumen wie zum Erkennen und Setzen von Grenzen
- Verbesserung der Handlungsfähigkeit in der Institution

2. in Bezug auf die Kinder / SchülerInnen :
- Ganzheitliches Lernen und Arbeiten
- Beachten des Gruppenprozesses
- Wertschätzung der Vielfältigkeit und Verschiedenheit der Menschen
- Bearbeitung individueller emotionaler Entwicklungsblockaden

Inhalte und Arbeitsweisen:

- Integration von kognitiven , emotionalen und körperlichen Aspekten von Entwicklung und Lernen
- Erkennen von Themen, die für die Gruppe oder den / die Einzelne(n) persönlich bedeutsam sind
- Förderung selbstorganisierter Lernprozesse

Hier geht es um uns!

Im Blickpunkt der Gestaltpädagogik steht zunächst die Pädagogin selbst, die Entwicklung ihrer Persönlichkeit und ihrer beruflichen Identität. Der wohlwollende und kritische Kontakt zu sich selbst begleitetet alle Arbeitsschritte gestaltpädagogischer Fortbildung.


Wie wirkt gestaltpädagogische Fortbildung?


Das Zentrum für Kindergartenpädagogik der NÖ Landesregierung hat in den letzten Jahren zwei Lehrgänge ausschließlich für Kindergärtnerinnen durchgeführt. Ein weiterer läuft zur Zeit.
Die 35 Absolventinnen der beiden abgeschlossenen Lehrgänge wurden im Juni 2002 mit einem anonymen Fragebogen zur Wirkung der gestaltpädagogischen Fortbildung befragt. (Lehrgang 1 liegt zum Zeitpunkt der Befragung bereits 2 Jahre zurück, Lehrgang 2 wurde gerade beendet.) Das Durchschnittsalter liegt bei 17 Dienstjahren.

Ergebnis:

Die Teilnehmerinnen beurteilen den Lehrgang rückblickend als „stützend“, „ermutigend“, „stärkend“ und beschreiben sich selbst in ihrem beruflichen Selbstverständnis seither mit den Begriffen „gelöst“, „gelassen“, „entspannt“.

Interessant ist das Ergebnis, da – entgegen dem gelegentlichen Vorwurf, Fortbildung mit Selbsterfahrung diente überwiegend dem privaten Leben und weniger dem Beruf – die Auswertung klar ergibt, dass Gestaltpädagogik wohl auch Verbesserung in anderen Lebensbereichen fördern konnte, aber die positiven Veränderungen im beruflichen Bereich deutlicher sind.

Bei der Frage:
„Wie hat der Lehrgang deine Arbeit beeinflusst:
Im Umgang mit Kindern, im Umgang mit dem Team, im Umgang mit den Eltern“
wird eine eindeutige Verbesserung in allen Bereichen verzeichnet. Dieses Ergebnis bestätigt eine gestaltpädagogische Grundthese: Wem es gelingt, mit sich selbst wertschätzender und konstruktiver umzugehen, dessen Kontakt zu andern verbessern sich fast automatisch.
Bei dem Punkt: “im Umgang mit dem Träger und dem Land“ ist die Verbesserung nicht ganz so stark, aber immerhin deutlich.

In der Folge sollen noch einige Teilnehmerinnen zur Sprache kommen, die Ihre Erfahrung im Lehrgang und seine Wirkung im beruflichen Alltag beschreiben:

„Vorrangig ist vor allem die Selbsterfahrung zu nennen, die sich auf die Persönlichkeitsentwicklung sehr positiv auswirkt. Die eigenen Stimmungen in den vielen Rollen, die wir im Alltag innehaben können dadurch vielschichtiger wahrgenommen werden . Die Art der Beobachtung hat eine andere Dimension bekommen. Kontakte und Prozesse haben an Tiefe gewonnen , Reflexionen sind ein wichtiger Teil meiner Arbeit geworden.
Diese neuen Erfahrungen – die früher auch bewusst waren, aber nicht diese Bedeutung hatten - zeigen sich in der Gestaltung des Kindergartenalltags, in dem den Kindern ein sehr hohes Maß an Mitbestimmung und Eigenverantwortung eingeräumt wird.“
(Marlies)

„Es war für mich unendlich wichtig, mich mit mir intensiv auseinander zu setzen. Durch das Anschauen meiner Entwicklungsgeschichte verstehe ich meine Handlungsmuster und Reaktionen besser.
Erst wenn ich mich anschaue und kenne, kann ich weitere Schritte unternehmen, ansonsten trete ich erfolglos auf dem Stand.“
(Waltraud)

„Die zwei Jahre waren auf alle Fälle eine Zeit der persönlichen Entwicklung und Veränderung. Diese Veränderung hat sich natürlich auch in meiner Tätigkeit gezeigt. Durch Änderung mancher Haltung oder Einstellung gehe ich an Probleme oftmals mit anderer Sicht heran, bleibe ruhiger und überlegter, lasse mich nicht so schnell zu überstürztem Handeln bewegen sondern ziehe ein breiteres Spektrum von Problemerklärungsmodellen und Lösungsvorschlägen in Erwägung. Ich habe gelernt, mehr bei mir , in meinem Hier und Jetzt zu sein und achtsamer auf die Stimme aus meinem Inneren zu hören.“ (Gabriele)

„Wenn ich über Veränderungen in meinem Berufsalltag seit der gestaltpädagogischen Fortbildung nachdenke, fällt mir vieles ein:
* Jeder Mensch ist in einer Gruppe sehr wichtig, so wie jedes Kind in der
Kindergartengruppe. Und zwar durch sein SEIN , seine einmalige Art, nicht nur durch das, was es kann und leistet. Das Annehmen jeder "unterschiedlichen Art" ist eine große Herausforderung, die mir seit dem Lehrgang wirklich Spass macht. Auch wenn es manchmal sehr anstrengend ist, diese Unterschiedlichkeiten in der Gruppe als Gewinn zu sehen und aufzugreifen.
* Die "vorbereitete Umgebung " war (und ist) mir sehr wichtig. Seit dem
Lehrgang ist mir die Bedeutung der "vorbereiteten Erzieherin" mindestens ebenso wichtig.
D. h. : Der Mensch ist wichtiger als Material!
* Ich habe Sicherheit im Umgang mit Elterngesprächen und durch verschiedene Methoden gewonnen und gelernt, mich in schwierigen Gesprächen zu üben.
Habe gelernt, mit autoritären Männern (Vätern) besser umzugehen. Begegne
ihnen lächelnd und sicher.
* Gelassenheit in vielen Dingen : In Bezug auf Eltern, aber noch mehr im
Kindergarten habe ich gelernt, nicht für jedes Problemchen zuständig zu sein sondern auszuwählen und immer wieder neu zu entscheiden, wo mein Arbeitseinsatz liegen muss.“
(Maria)

„Als ich die Ausbildung begann, fragten die Kinder nach dem ersten Kurs ganz gespannt, was ich ihnen denn für neue Spiele mitgebracht hätte. Ich aber erklärte ihnen, das sei ein Kurs für mich, dass ich mich gut fühle, und dann geht es uns auch gemeinsam besser. Erstaunen in den Kindergesichtern?!
Nach längerer Zeit – ich habe wohl doch einiges für die Kinder mitgebracht, und es hat sich in der Gruppe was verändert – strahlt mich ein Vorschulkind an: „Du ..., warst du wieder beim Gute-Laune-Kurs? Das war lustig heute, als du dich so schön geärgert hast. Kann meine Mutti auch mal dort hingehen, die ist nie so?“
(Karin)

Autorin: Ursula Svoboda, Pädagogische Akademie der Diözese Linz
Erschienen in: "Unsere Kinder" 5/03


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letztes update 23/10/08